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Zum Andenken an
unsere lieben Verstorbenen

wenn einer gegangen ist aus einem kreis
dann ist die leere tief
 
wenn einer gegangen ist ganz leis
dann fehlt die mitte
 
wenn einer gegangen ist – dann wird es kalt
dann wird es einsam – das leben alt
 
wenn einer gegangen ist – dann weint das herz
zurück bleibt nagend das leid – der schmerz
 
zurück bleibt mahnend sein platz im kreis
wenn einer gegangen ist – ganz leis

 
Ingrid Streicher
 


Hinweis:
Lila Personennamen verweisen auf eine Todesanzeige,
eine Danksagung, einen Nachruf oder eine Fotografie.


         
R.I.P.
 
MARLIS
FREY-PFIFFNER
 
*1942  †2020
KARO KARO KARO R.I.P.
 
TONI
STRÄSSLE

 
*1942  †2018
KARO R.I.P.
 
RUTH
BARTOLOMEOLI
-HÖHENER
 
*1942  †2017
KARO R.I.P.
 
ANTON
ZÜGER

 
*1942  †2015
KARO
R.I.P.
 
CHARLY
STYGER
 
*1942  †2007
KARO R.I.P.
 
BEATRICE
NÄF-WEBER

 
*1942  †2006
KARO R.I.P.
 
PFARRHELFER
H. JUNG

 
*1921  †2006
 
         
 
R.I.P.
 
KUSTOS
P. STRASSMANN

 
*1925  †2005
 
         
 
R.I.P.
 
HANS
BOOS

 
*1942  †1998
 
         
 
R.I.P.
 
RITA
MEILE
 
*1942  †1997
 
         
 
R.I.P.
 
ROSMARIE
MÜLLER

 
*1942  †1994
 
         
 
R.I.P.
 
KUSTOS
JOS. HALTNER
 
*1912  †1993
 
         
 
R.I.P.
 
PFARRHELFER
G. BLÖCHLINGER

 
*1908  †1982
 
         
 
R.I.P.
 
LEHRER
K. BÄCHINGER

 
*1921  †1981
 
         
 
R.I.P.
 
PFARRER
B. STOLZ

 
*1890  †1981
 
         
 
R.I.P.
 
LEHRER
E. RAIBER

 
*1907  †1981
 
         
 
R.I.P.
 
LEHRER
V. HALTER

 
*1892  †1973
 
         
 
R.I.P.
 
ANNA MARIA
STILLHART
 
*1941  †1962
 
         
 
R.I.P.
 
BRUNO
ZWEIFEL

 
*1942  †1949
 
         
 
 

 
   
 

Toni Strässle

*1942  †2018
 
TONI  
 
 
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Anton Züger

*1942  †2015
 
TONI  
 
 
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BEA

Beatrice Näf-Weber


*1942  †2006
 
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HANS

Hans Boos


*1942  †1998
 
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ROSMARIE

Rosmarie Müller


*1942  †1994
 
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Bruno Zweifel


*1942  †1949
 
 
BRUNO  
 
 
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HALTER    

Lehrer Viktor Halter


*1892  †1973
 
 
 
DIE LINTH / RAPPERSWILER NACHRICHTEN
17. Januar 1973 – Nr. 7
 
Zum Gedenken an eine der markantesten
Gestalten der Rapperswiler Lehrerschaft

Im ganzen Schweizerland und weit über die Landesgrenzen hinaus lebt in den Herzen von annähernd zweitausend Erdenbürgern dieser Tage eine der markantesten Gestalten der Rapperswiler Lehrerschaft dieses Jahrhunderts in schönster Jugenderinnerung auf: Viktor Halter-Dietrich war für viele Rapperswiler Kinder, die in den Jahren zwischen 1919 und 1969 die Primarschule besuchten, der ausgesprochene Lieblingslehrer. Sein Unterricht war so begeisternd, dass seine Schüler gerne zur Schule gingen und von ihrem Lehrer viele Lebensweisheiten willig beherzigten. Selbst junge Menschen im Lehrlingsalter wusste er mit seiner lebendigen Staatskunde an der gewerblichen und kaufmännischen Berufsschule zu begeistern. Und nach seiner Pensionierung stellte er sich immer wieder gerne - auch im Burgerau- und Hanfländerschulhaus - für Stellvertretungen zur Verfügung. Lehrer Halter war allseits beliebt und geschätzt, und seine geradlinige und zeitaufgeschlossene Grundhaltung trug ihm viele gute Freunde ein. Bis ins hohe Lebensalter verfolgte er Tag für Tag das große und kleine Weltgeschehen, und so lange es ihm die Gesundheit ermöglichte, fand er sich gerne im trauten Kreis der Veteranen im «Paragraph 11» zum Tagesgespräch ein. Noch vor knapp einem Jahr feierte man ihn im Familienkreis als rüstigen Achtziger. Leider nahmen dann seine Kräfte ab. Im August 1972 musste er sich in Spitalpflege begeben, und nun ist er am 15. Januar - auf den Tag genau vier Jahre nach dem Hinschied seiner Gattin - vom Schöpfer heimgerufen worden. Dem verehrten Mitbürger und Lehrer werden wir ein ehrendes Andenken bewahren.
       Josef Viktor Halter wurde am 8. März 1892 im alten Schulhaus (heute Gemeindehaus) in Eschenbach als dritter von fünf Söhnen von Josef Anton und Salomena Halter-Kuster geboren. Die Primarschule besuchte er in Eschenbach, wo sein Vater über vierzig Jahre lang als Schulmeister gewirkt hatte. Dann begab sich der aufgeweckte Jüngling während zwei Jahren Tag für Tag mit dem Velo nach Rapperswil in die Sekundarschule, wo K. Osterwalder, J. Rüegg und A. Dörler seine Lehrer waren. Einer seiner Mitschüler war der verstorbene Ignaz Helbling, der den schüchternen Dorfbuben gerne neckte. Nach der Schulentlassung trat Viktor Halter 1907 ins Lehrerseminar in Rorschach ein, das damals unter der gestrengen Leitung von Direktor V. Morger stand. In seiner Klasse saß der kürzlich verstorbene ehemalige kantonale Polizeikommandant Paul Grüninger. Im Frühling 1911 erwarb er das Primarlehrerpatent. Ganz im Gegensatz zu heute herrschte damals großer Lehrerüberfluss, und so war der strebsame junge Pädagoge glücklich, als er seine erste Lehrstelle an der Gesamtschule in Maseltrangen antreten konnte. Noch Im hohen Lebensalter erzählte Viktor Halter noch gerne aus jener Zeit, da er den Kindern solider Bauersleute im Gasterland die ersten Lebensgrundlagen vermitteln durfte. Im Jahre 1913 folgte er dann einem Ruf seiner Heimatgemeinde Rebstein. Vom herben und währschaften Volksschlag seiner Rheintaler Mitbürger war er zeitlebens begeistert.
       Ein völlig neuer Lebensabschnitt begann für Lehrer Halter gleich nach dem ersten Weltkrieg, als er an die Katholische Primarschule Rapperswil gewählt wurde und als Nachfolger von August Schenk die 5. und 7. Klasse übernahm. Fast fünfzig Jahre lang war er im Herrenbergschulhaus tätig, und im obersten Stockwerk des Schulhauses richtete er mit seiner Lebensgefährtin, Anna Dietrich aus Rebstein, sein trautes Heim ein. Die Heirat im Jahre 1919 bildete den Grundstein für ein glückliches Familienleben. Der harmonischen Ehe entsprossen zwei Kinder. Sohn und Tochter wurden liebevoll zu wertvollen Menschen erzogen, die später ihre eigenen Familien gründeten. Grosse Freude schenkten dem glücklichen Elternpaar die sechs Enkelkinder.
       Obwohl Familie und Schule sein ganzes Erdendasein erfüllten, stellte Lehrer Viktor Halter sein vielseitiges Wissen und Können auch einem weiteren Kreis zur Verfügung. Während Jahrzehnten war er als guter Musiker Vizedirigent der Cäcilia-Musikgesellschaft und des Männerchors Rapperswil, die ihn beide zum hochverdienten Ehrenmitglied ernannten. Viele Jahr war er auch in der Katholischen Kirchgemeinde Rapperswil als Organist tätig.
       Leider wurde der Lebensabend Viktor Halters durch den Heimgang seiner geliebten Gattin getrübt. Sie hatte ihm so viel Lebensinhalt geschenkt, dass ihr Tod ihn zutiefst schmerzte. So wurde es stiller um ihn. Obwohl ihn Sohn und Tochter in ihre Familien aufnehmen wollten, konnte er sich nicht von seiner geliebten Rosenstadt trennen. Rapperswil mit seinen Schlosstürmen, seinem Rathaus und seinen Seeanlagen war für die Halterbuben zeitlebens eine Märchenlandschaft. So ist es nicht zufällig, dass zwei von ihnen sich hier als Lehrer festgesetzt hatten. Viktor Halter fand liebevolle Aufnahme im Bürgerspital am Fischmarktplatz, und es war eines seiner letzten Herzensanliegen, der Ortsgemeinde Rapperswil, der Leiterin, Frl. Margrith Ebnöther, allen Angestellten und Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern aufrichtig zu danken für all das Gute und Schöne, das er in der Geborgenheit dieser Gemeinschaft erfahren durfte. So lebt Viktor Halter denn für immer in unserer Erinnerung: als bescheidener, zufriedener und dankbarer Mensch, dem so viele Mitmenschen unendlich viel mehr zu verdanken haben.      ra

 
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BAECHI    

Lehrer Konrad Bächinger


*1921  †1981
 

Eine überaus große Trauergemeinde erwies am 21. November in der Franziskus-Kirche in Kempraten dem am 16. November gestorbenen Lehrer Konrad Bächinger-Steiner, Lenggis, die letzte Ehre. In Konzelebration mit den Patres Walter Signer, von Sachseln, und Raphael Schlumpf, von Einsiedeln, einem ehemaligen Schüler Bächingers, feierte Pfarrer Hans Ricklin den eindrucksvollen Trauergottesdienst und würdigte Leben und Persönlichkeit des Entschlafenen. Die Schulklasse von Konrad Bächinger sang unter der Leitung von Paul Krapf Lieder aus der auf Initiative von Konrad Bächinger geschaffenen und 1968 uraufgeführten Kindermesse von Paul Burkhard nach Texten von Pius Rickenmann. Die Trauerfeier wurde musikalisch umrahmt durch Vorträge der Sekundarlehrer Christoph Wiesmann (Querflöte), Anton Schenk (Orgel), und Hans Loser (Cello). Bei der anschließenden Bestattung auf dem Friedhof Kempraten sang die Lehrerschaft unter der Leitung von Paul Pfenninger das Lied «Unser Leben gleicht der Reise eines Wandrers in der Nacht. . .»

Auszüge aus der Trauerrede:

Konrad Bächinger, geboren am 1. Dezember 1921 als Sohn der Eltern Konrad und Anna Bächinger-Helbling an der Bußkirchstraße, verlebte mit seiner Schwester und seinem Bruder eine frohe Jugendzeit. 1934 trat er in Rorschach ins Seminar Mariaberg ein, um Lehrer zu werden. Doch als er frisch gebacken aus dem Seminar kam, herrschte Lehrerüberfluss. Da schickte ihn der Vater in die heilpädagogische Schule in Zürich, wo er unter den bekannten Professoren Hanselmann und Mohr sich in die Probleme des schwachen Kindes vertiefte. Da er anschließend 1942 immer noch keine Stelle gefunden hatte, bildete er sich zum Abschlussklassenlehrer aus. Im Herbst desselben Jahres fand er in Rufi-Schänis eine Stelle. 60 Kinder in acht Klassen waren da beisammen. Der Lohn war klein, der junge Lehrer weiter auf die Unterstützung des Elternhauses angewiesen...
       1949 vermählte er sich mit Elisabeth Steiner aus Schmerikon. Miteinander bauten die beiden ihre Zukunft auf. Vier Kinder - drei Söhne und eine Tochter - sind das Glück ihrer Liebe. Im Jahr 1951 konnte die junge Familie ein neues Heim auf dem Boden des Vaters beziehen....
       Ein Blick ins vielfältige Schaffen Konrad Bächingers zeigt, wie sehr er der Stadt am See und ihrer Umgebung zugetan war. Wer ist ihm nicht dann und wann begegnet, wie er mit seiner Kamera auf Entdeckungsreise war, die stillen Gassen der Altstadt, das pulsierende Leben der Quartiere oder das idyllische Seeufer immer neu suchend und erlebend? Und was er jeweils fand und entdeckte, machte er fruchtbar - sei es für die Schüler im Unterricht oder der Öffentlichkeit, durch die Zeitung. Besonders verbunden fühlte er sich in dieser Liebe zur Heimat mit Pius Rickenmann, dessen Gedichte er herausgab und damit der Öffentlichkeit zugänglich machte. Schon 1953 schrieb er die «Rapperswiler Heimatkunde». 1975 schuf er dazu die Arbeitsblätter für die Kinder der 4. Schulklasse. 1968 entstand der von ihm herausgegebene Bildband «Das Bild der Stadt Rapperswil». Angeregt und mehr als 20 Jahre durchgezogen hat Konrad Bächinger das Rapperswiler Sternsingen. Pius Rickenmann schrieb den Text und Musikdirektor Bruno Felix Saladin die Musik. Er selber führte die Regie. Dieses Sternsingen ist zum festen Brauch geworden und gehört schon lange mit zum Bild der Stadt....
       Als Korrespondent und Ortsredaktor des «St. Galler Volksblattes» in Uznach beschrieb und kommentierte er das Geschehen in der Stadt. Er schrieb eine deutliche, unverkennbare Sprache und hielt auch bei widersprüchlichen Meinungen mit der seinen nicht zurück. Was er als Recht ansah oder als notwendig erachtete, vertrat er auch. Kein Wunder, dass er deshalb nicht immer nur Zustimmung fand und sich nicht nur Freunde schuf....
       Bei aller Bildung ist die Öffnung des Kindes für das Transzendente wesentlich zur Entfaltung der Persönlichkeit. Daher gelangte Lehrer Bächinger an den Komponisten Paul Burkhard; Pius Rickenmann schuf zusammen mit Pfarrer Egloff den Text für eine Kindermesse, die am 8. September 1968 in der Stadtkirche St. Johann zum ersten Mal aufgeführt wurde. Seither verband Konrad Bächinger eine herzliche Freundschaft mit Paul Burkhard, der ihm mit den Worten dankte: «Dem, wo gschuld isch a de Chindermäss, mit herzlichem Dank.»....
       All diese viele Arbeit konnte er nur leisten dank der Eingabefähigkeit und Mitarbeit seiner Gattin... Die Familie war das Refugium, in dem er Entspannung und Geborgenheit fand und in die hinein er sein Schaffen und Planen trug. So fand er von dort Kraft und Stütze. Von Herzen begleitete er das Heranwachsen der Kinder und freute sich an ihren Erfolgen in Studium und Beruf....
 
 

 
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RAIBER    

Lehrer Eugen Raiber


*1907  †1981
 
 
 
Nachruf im St. Galler Volksblatt vom 7. Januar 1981:
 
 
Zum Gedenken an alt Primarlehrer Eugen Raiber
 
Rasch tritt der Tod den Menschen an,
es ist ihm keine Frist gegeben.

 

Wieder einmal haben sich die Dichterworte bewahrheitet und haben an unser Herz gegriffen. Wohl wussten wir von Eugen Raibers angeschlagener Gesundheit. Aber er fühlte sich seit Tagen wieder auf dem Weg zur Besserung und wollte am vergangenen Sonntagabend noch die Abendmesse in der Pfarrkirche besuchen. Seine treubesorgte Gattin hielt ihn, des schlechten Wetters wegen, von diesem Vorhaben ab. So blieb er allein zu Hause, während seine Frau den Abendgottesdienst besuchte. Als sie heimkehrte fand sie ihren Gatten im Lehnstuhl zusammengekauert am offenen Fenster. Wohl nur wenige Minuten zuvor hatte der Tod den nach frischer Atemluft Ringenden leise berührt und heimgerufen.
       Eugen Raiber erblickte das Licht der Welt am 15. Juli 1907 in St. Gallen. Dort verlebte er, treu behütet von besorgten Eltern, im Kreise von Schwestern und Brüdern, eine frohe Jugendzeit. Er blieb seiner Geburtsstadt sein Leben lang zugetan. Er besuchte dort die Primarschule und die katholische Knabenrealschule. Bald zeigten sich beim jungen Menschen besondere Fähigkeiten und Begabungen in Sprache und Musik. So lag ein Besuch des Lehrerseminars in Rorschach nahe. Im Frühjahr 1923 trat er dort ein und holte sich vier Jahre später das St. Gallische Lehrerpatent mit einer besten Note.
       Aber Lehrer gab es damals im Überfluss und freie Stellen waren rar. Darum absolvierte er zuerst die Rekrutenschule und übernahm eine Aushilfsstelle in seiner Heimatgemeinde Mogelsberg als Lehrer und Organist. Nach einem Jahr wurde er an die Schule Tannen, Schulgemeinde Kirchberg, berufen. Diese Gesamtschule, mit ihrer großen Schülerzahl, wurde für Eugen Raiber zur besten Schulung in seinem Beruf. Im Herbst 1930 wechselte er vom grünen Toggenburg hinüber an die blauen Gestade des Zürichsees, nach Rapperswil. Hier übernahm er die Führung der Unterstufe. Nicht selten hatte er in zwei Klassen achtzig und mehr Schüler zu betreuen. In den Ferien führte er unzählige mal unsere Schüler in die Sommer- und Winterlager und spendete so seinen liebgewordenen Buben und Mädchen viel Freude. 42 Jahre lang diente er mit Frohmut und in treuer Pflichterfüllung der katholischen Primarschule Rapperswil. Im Frühjahr 1973 trat er, nach 46 Jahren im St. Gallischen Schuldienst, zurück.
       Doch das Bild des Verstorbenen wäre unvollständig, wenn wir nicht auch seiner Verdienste um das sakrale Lied und die musischen Künste gedenken würden. Im Chor der Cäcilia Musikgesellschaft sang er als sicherer Bassist und während Jahren als bewährter Solist. Im Orchester konnte er gleichzeitig als Geiger und Bratschist eingesetzt werden. Im Vorstand diente er von 1938 bis 1951 als reger Vizepräsident. Aber auch im Männerchor und in dessen Doppelquartett war seine weiche, tragende Stimme sehr geschätzt. Beide Vereine verliehen dem begabten Sänger und Musikanten die Ehrenmitgliedschaft.
       Im kirchlichen Dienst betreute er auch die Orgel, vorerst in den vielseitigen Jugendgottesdiensten und später mit besonderer Aufopferung und Liebe in der Nothelferkapelle in Kempraten, welchen Dienst er erst mit der Einweihung der neuen Kirche St. Franziskus aufgab.
       Als Präsident der Dramatischen Gesellschaft versuchte er mit Erfolg, deren Tätigkeit zu fördern und übernahm zugleich als Spieler führende Rollen als Sprecher und Sänger. Im kath. Gesellenverein wirkte er während Jahren als Regisseur. Und auch den geselligen Anlässen lieh er sein Können in mancher Form.
       Nirgends aber drängte er sich vor. Er blieb bescheiden im Hintergrund, freute sich aber, wenn er anderen Freude bereiten durfte. Überhaupt war sein ganzes Leben Zufriedenheit, Hilfsbereitschaft und Freudespendung für die anderen, vor allem aber auch für seine Familie, seine Lebensgefährtin, seine Söhne und Enkelkinder.
       Diese wenigen Hinweise auf das Leben des Heimgegangenen mögen aufzeigen, was Eugen Raiber seinen Lehrerkollegen, seinen Schulkindern und der Öffentlichkeit bedeutet hat. Mit seinen Angehörigen stehen wir trauernd und dankend am Grabeshügel und bitten Gott: Herr schenke Deinem treuen Diener den Frieden, und der weihnächtliche Stern führe ihn zum ewigen Licht.    (ff.)
 
 
Rubrik «Bestattungen» im St. Galler Volksblatt vom 7. Januar 1981:
 
       Raiber Heinrich Eugen,
       geboren am 15. Juli 1907,
       von Mogelsberg SG,
       verheiratet, pens. Primarlehrer,
       Halsgasse 28, Rapperswil,
       Ehemann der Ella geb. Svoma,
       verstorben am 4. Januar 1981.
       Die Beerdigung fand heute morgen statt.

 
 

 
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STOLZ    

Pfarrer Bernhard Stolz


*1890  †1981
 

Der Kreis um das Leben von Monsignore Bernhard Stolz hat sich am Morgen des 11. Januar 1981 um 7 Uhr nach fast 91 Jahren durch einen sanften Tod geschlossen. Nahezu während eines halben Jahrhunderts bildete die Stadt Rapperswil das Zentrum dieses Lebenskreises mit ihren drei äußeren Wahrzeichen am Herrenberg: «Schule - Kirche - Schloss». Diese drei Symbole waren für ihn eine innere Einheit. Es war immer dieselbe Persönlichkeit, die uns begegnete: als Vater seiner Pfarrfamilie, als Lehrer und Schulpräsident und als toleranter Mitbürger. Für ihn war letzten Endes alles Gottesdienst, auch der Dienst an der Schule und in der Gemeinde. So genoss er auch ungeteilte Autorität, und zwar im ursprünglichen Sinn des Wortes von auctoritas - Ansehen.

Die Schule und der Erzieher

Hohes Ansehen genoss bereits sein Vater, Posthalter in Oberbüren, der mit seinem ruhigen, überlegten Wesen als Kirchenverwaltungsratspräsident, als Kantons- , Gemeinde- und Schulrat gewirkt hatte. Geboren am 15. Mai 1890 wuchs Bernhard Stolz zusammen mit drei Brüdern im Fürstenlanddorf Oberbüren auf. Sein Vaterhaus stand in unmittelbarer Nähe der Kirche, die ihm durch sein ganzes reiches Leben hindurch den Weg gewiesen hat. Nach dem Besuch der Dorfschule durfte er die Sekundarschule in Wil und dann das Gymnasium Maria Hilf in Schwyz absolvieren, wo er im Jahre 1911 die Maturitätsprüfung bestand. Hierauf wandte er sich den Theologiestudien zu, zunächst in Chur, dann in Fribourg und St. Georgen.
       Schon in der Jugend von Bernhard Stolz waren Elternhaus, Schule und Kirche eine geschlossene Einheit, in welcher sich das tiefe Innenleben entfalten konnte. Dieselbe Einheit - heute würde man sie als «heile Welt» bezeichnen - erlebten wir in den Dreißiger Jahren als Schulbuben am Herrenberg. Pfarrer, Lehrer und Vater bildeten gemeinsam einen Wall, durch den sie unsere Wildbäche leiteten. Mit der einzigartigen Mischung von Güte und Ernst, von Freundlichkeit und Unnahbarkeit wirkte er als Lehrer und Erzieher. Mit klar verständlichen Kernsätzen hat er in Religionsunterricht und Christenlehre Glaubensgut an die Jugend vermittelt. Was er hier gesät und gepflanzt, zählt sicher zum wertvollsten seines Priesterwirkens.
        Zur Aufrechterhaltung von Disziplin und Ordnung brauchte er keine Druckmittel – seine Person genügte. Ein ruhiges Mahnwort wirkte tiefer als eine Ohrfeige des Lehrers. Selbst die quecksilbrigsten Lausbuben brachten es nicht übers Herz, den Pfarrherrn zu ärgern. Zu schimpfen oder gar zu streiten wagte man ohnehin erst außer Reichweite von Pfarr- und Bubikerhaus. Die Buben und Mädchen flogen ihrem Herrn Pfarrer entgegen, wenn er durch die Gassen schritt. Er nannte sie alle beim Vornamen. Es wurde als besondere Auszeichnung betrachtet, wenn man zu einem Ämtchen auserkoren wurde, sei es als Vorbeter, als Messdiener oder Glockenbub.
       Die Verdienste um das Rapperswiler Schulwesen werden in die Annalen des Städtchens Rapperswil eingehen. Volle 35 Jahre (1931 bis 1966) stand Bernhard Stolz als Präsident der Katholischen Primarschulgemeinde vor. Während seiner Amtszeit wurde das Burgerau-Schulhaus gebaut, die Spielwiese in der «Gießi» sowie Landreserven im Südquartier erworben und Boden für das Ferienheim auf Lenzerheide gekauft. Diese weitblickende Planung, vorab aber die sorgfältige Auswahl von Lehrern, sicherten den anerkannt guten Ruf unseres Schulwesens. Wahrend 27 Jahren amtete Stadtpfarrer Stolz auch als Vizepräsident des Sekundarschulrates. «Durch seine innere Verbundenheit mit der Jugend, seine verbindliche, wohl überlegte, ruhige Art hat er eine hohe Summe von Verdiensten um unsere Schule und die ungeteilte Hochachtung aller Ratsmitglieder erworben». (Aus dem Amtsbericht 1957 des Sekundarschulrates)

Die Kirche und der Seelsorger

In erster Linie war Bernhard Stolz Priester, und zwar verstand er seine Berufung nicht als Wegweiser - diese Aufgabe sollten die Kirchtürme erfüllen, die nach oben weisen. Vielmehr ging er seinem Volk voran auf dem Weg zu Gott. Auch für die evangelischen Brüder war er durch seine «vorbildliche, würdige und edle Haltung als Priester ein einmaliges Beispiel». (Fräulein Pfarrer Martha Stuber)
       Am Palmsonntag des Jahres 1915 weihte Bischof Robertus Bürkler den jungen Theologen in der Kathedrale St. Gallen zum Priester. Seine Seelsorgetätigkeit begann er als Vikar in Bruggen, wurde dann Kaplan in Rorschach. 1923 wurde er als Stadtpfarrer von Wil gewählt. Erst 33-jährig trat er dort eine ausgesprochen anspruchsvolle Aufgabe an, die er gemeinsam mit vier Kaplänen und mit Unterstützung der Kapuzinerpatres bewältigte. In seine Amtszeit fiel auch die Renovation der Stadtkirche St. Nikolaus.
       Durch den plötzlichen Tod von Dekan und Kanonikus Johannes Brändle war 1931 die Stadtpfarrei Rapperswil unerwartet verwaist. Bernhard Stolz folgte dem Wunsch des Bischofs und dem Ruf der Kirchgenossen nach Rapperswil als Stadtpfarrer. Hier wurde er am Fest des Kirchenpatrons, St. Johannes des Täufers, in sein neues Amt eingesetzt. Schon rein äußerlich bot die asketische Gestalt des neuen Stadtpfarrers einen Kontrast zum gemütlichen und populären Vorgänger. Vor allem aber seine innere Haltung war die eines «Wegbereiters des Herrn», eines Trägers, Boten und Dieners: Träger der Eucharistie in der Monstranz bei den Prozessionen – Bote des erhabenen Wortes Gottes in seinen stilvollen Predigten – Diener als Gastgeber von Oberen, Mitbrüdern, Behörden – Diener an den Kranken, den Rat- und Hilfesuchenden. Erwähnenswert ist in diesem Zusammenhang, dass er oft ausgezeichnete Prediger, Missionare und Referenten beizog.
       Sein ausgeprägter Sinn zur würdigen und feierlichen Gestaltung der liturgischen Gottesdienste entsprang keineswegs einem persönlichen Geltungsdrang. Für Pfarrer Stolz bedeutete Liturgie höchster Dienst. Deshalb hat er sich unermüdlich für die Kirchenmusik und den Kirchengesang des Chors und auch der Schuljugend eingesetzt. Aus dieser Grundhaltung heraus war er der Cäcilia-Musikgesellschaft, die ihn an der 200-Jahr-Feier im Jahre 1937 zu ihrem Ehrenmitglied ernannt hatte, in besonderem Maße bis in die letzten Lebenstage verbunden. «Ich hätte meine hehre Aufgabe, Gott zu verherrlichen, ohne die Schwestern, Brüder und Musikanten der Bruderschaft nie erfüllen können», so hatte sich der Prälat ein letztes Mal am Fest Christi Himmelfahrt 1980, seinem 90. Geburtstag, geäußert.
       An Glanz- und Höhepunkten der festlichen Gottesdienstgestaltung war die Amtszeit von Prälat Stolz reich. Erinnert sei an die 200-Jahr-Feier der Cäcilia-Bruderschaft 1937 mit einem Pontifikalamt von Bischof Dr. Aloisius Scheiwiler und an die Feier «700 Jahre Stadtpfarrei Rapperswil» im Jahre 1953 mit Fürstabt Dr. Benno Gut von Einsiedeln und Bischof Dr. Josephus Meile von St. Gallen.
       1958 feierte Rapperswil die 500-jährige Zugehörigkeit zur Eidgenossenschaft. In der Stadtpfarrkirche wurde ein Gedenk- und Dankgottesdienst mit Abt Dr. Benno Gut, dem späteren Kardinal, als Zelebrant und Bischof Dr. Josephus Hasler als Prediger gehalten. Auf diesen Anlass hin zeichnete Papst Pius XII. Stadtpfarrer Stolz mit der Würde eines päpstlichen Hausprälaten und mit dem Titel «Monsignore» aus. Für Mgr. Stolz galt diese Ehrung, die er dankbar entgegennahm, eher seinem Amt als seiner Person. So trug er denn seinen violetten Ornat sehr selten und auch dann nur den Bürgern zulieb, die ihm das Ehrenkleid geschenkt hatten. Er wollte nicht Bevorzugter (prælatus), sondern Diener Gottes sein und bleiben.
       Pfarrer Stolz wusste auch die einfachen Gottesdienste würdig zu gestalten. Den Erwachsenen, vor allem aber auch der Jugend versuchte er die Liturgie dadurch nahezubringen, dass er den Sinn der Handlungen immer wieder erläuterte und die Lesungen und Gebete in deutscher Sprache vorbeten ließ, und dies lange bevor sich das Konzil mit der Öffnung zu den Muttersprachen befasst hatte. Eine stimmungsvolle Weihestunde besonderer Prägung brachte jeweils am Sonntagabend das «Liturgische Abendgebet», die deutsche Fassung der Komplet mit dem Lobgesang des greisen Simeon «Nun lässt Du, Herr, Deinen Diener in Frieden scheiden».
       Auch der Gottesraum der Stadtpfarrkirche sollte so würdig wie möglich gestaltet sein. Da der neugotischen Ornamentierung kein hoher Wert beigemessen wurde, versuchte Stadtpfarrer Stolz das Wagnis einer Innenrenovation der Stadtkirche im Sinne einer Radikallösung nach den Vorschlägen von Professor Dr. Linus Birchler. Der gotische Raum der Kirche, die 1882 einem Brande zum Opfer gefallen war, sollte wieder in den anerkannt guten Proportionen dadurch zur Geltung gebracht werden, dass man die Ornamente und auch die Altäre, vor allem aber das Gemälde vom jüngsten Gericht über dem Chorbogen entfernen und die Ölberggruppe der Liebfrauenkapelle an den Hochaltar setzen wollte. Die Bürger waren in der Mehrheit skeptisch gegenüber einer solchen tiefgreifenden Veränderung «ihrer» Kirche und stellten zur großen Enttäuschung von Pfarrer Stolz die Innenrenovation zurück. Indessen waren andere große Aufgaben in der 35-jährigen Amtszeit realisiert worden: 1945 bei der Abkurung von Bußkirch die Eingliederung von Kempraten-Lenggis in die Pfarrei St. Johann; 1951 Weihe des neuen Friedhofes in Kempraten; 1960 Glockenweihe nach Fertigstellung der Außenrenovation und Sanierung der Türme.
       Ende 1966 trat Prälat Stolz im Alter von 76 Jahren von der Leitung der Pfarrei Sankt Johann zurück, nachdem er ein Jahr zuvor das goldene Priesterjubiläum begehen konnte. Eine neue Zeit war angebrochen, die trotz regem Interesse nicht mehr ganz die Seine war. Doch auch als Resignat resignierte er nicht, enthielt sich aber strikte jeder Einmischung in pfarramtliche Angelegenheiten, sondern lebte zurückgezogen im Haus «Phönix» am unteren Herrenberg. Rüstig schritt er zur täglichen Messfeier in die Kirche, zur Kapelle oder ins Heiliggeistspital, das er bis zum 22. Juli 1980 betreute. Er wohnte nach Möglichkeit den Festgottesdiensten bei und geleitete zahlreiche frühere Pfarrkinder zur Ruhestätte.
       Noch einmal stand er selbst als Hauptzelebrant am Altar der Pfarrkirche, an seinem diamantenen Priesterjubiläum am Ostermontag 1975. In Anwesenheit von Bischof Dr. Josephus Hasler stimmte er sichtlich ergriffen das «Gloria» an. Das musikalische Jubiläumsgeschenk «seiner» Cäcilia nahm er mit tiefem Dank entgegen, ebenso die Glückwünsche der Pfarrei, der Behörden und der früheren Mitarbeiter im «Weinberg des Herrn». Dann wurde es stetig stiller um den greisen Priester. Dennoch war sein Tag ausgefüllt – mit Gebet. Nun haben wir einen großen Beter verloren, dafür aber einen Fürbitter gewonnen.

Das Schloss und der Ehrenbürger

Wie alles im Leben, so nahm er auch seine Aufgaben als Bürger ernst. Er verfehlte keinen Urnengang. Wenn sein Gewissen ihn dazu aufforderte, konnte er auch hart kämpfen, sei es in Sitzungen oder an Versammlungen der Gemeinde. Er war keineswegs immer ein bequemer Ratskollege, der es allen recht machen wollte. In seltenen Fällen fiel es ihm sogar schwer, sich der Mehrheit zu fügen. Weil er sich aber von einer hohen Pflichtauffassung tragen ließ, minderte das seinen Ruf als konzilianter und toleranter Mitbürger nicht. Er lebte die wirkliche Ökumene zu einer Zeit, als sie noch kaum jemand zu denken wagte. Und deshalb genoss er hohes Ansehen bei den evangelischen Mitbürgern. Er zog seinen Hut zum Gruße vor allen gleich tief – meistens grüßte er als erster. Trotzdem predigte er kein verschwommenes Allerweltschristentum. Er hatte seinen festen Standort.
       Als Vertreter der Rapperswiler Katholiken gehörte er während Jahren dem Katholischen Kollegium, dem Parlament des Katholischen Konfessionsteils des Kantons St. Gallen an, das er im Amtsjahr 1954/55 im Großratssaal in der Kantonshauptstadt mit magistraler Würde präsidierte.
       Bernhard Stolz war ein großer Verehrer der Heimat. Schon als Knabe unternahm er mit dem Vater und den Brüdern ausgedehnte Wanderungen. Auch später waren die stolzen Schweizer Berge Quell der Erholung und der inneren Kraft. Nie wurde seine Heimattreue offenkundiger als in den bangen Tagen des Zweiten Weltkrieges. Es bleibt unvergessen, wie er am Vorabend der Generalmobilmachung die Wehrmänner und die Angehörigen in die Kirche rief und in einem denkwürdigen Kanzelwort aufmunterte, auf Gott zu vertrauen, zugleich aber beschwörend aufforderte: «Betet, freie Schweizer, betet.» In der drohenden Gefahr waren die Bürger und Behörden des Städtchens näher zusammengerückt. Diese Verbundenheit blieb erhalten. Zehn Jahre nach Kriegsende ernannten ihn die Rapperswiler zu ihrem Ehrenbürger und würdigten so auch die großen Verdienste um die Gemeinde.
       Unser gesellschaftliches Leben vollzieht sich in verschiedenen Teilbereichen, wie Beruf, Politik, Familie, Religion, als wären es freistehende, von einander unabhängige Türme. Bernhard Stolz hatte es verstanden, diese Türme mit starken Mauern und Wehrgängen untereinander zu verbinden. Auf dem Felsen Petri stand seine Persönlichkeit, vergleichbar mit dem Rapperswiler Schloss: Vom großen Westturm aus wachte er über die Erziehung und das geistige Wohl der Gemeindefamilie. Gegen Abend zog er sich in den kleinen Nordturm zurück. Müde geworden, hat er den Lauf durch den Wehrgang hin zum Zeitturm vollendet, wo seine Stunde geschlagen hat. Im Schatten dieses Turmes wird der unermüdliche Wanderer ruhen, während die große Uhr über ihm der Ewigkeit entgegen schlägt und die Glocken von der nahen Kirche das Lob und den Dank über Stadt und See hinwegtragen, den Dank an den guten Hirten und den treuen Diener Gottes und der Gemeinde.
 
Dr. Eduard Bürgi , Rapperswil


 
 
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Pfarrhelfer Gustav Blöchlinger


*1908  †1982
 
 
 
Nachruf im NEUEN WILER TAGBLATT am Montag, 25. Oktober 1982
 

Zum Tode von G. Blöchlinger

Am Gallustag ist in Wil Primissar Gustav Blöchlinger gestorben. Nach der 1935 empfangenen Priesterweihe war er Katechet am Johanneum in Neu St. Johann, Pfarrhelfer in Rapperswil und ab 1951 während fas acht Jahren Pfarrer in Buchs. Später stellte er sich als Spiritual dem Kloster Gut Hirt in Altstätten und schließlich als Primissar der Pfarrei Wil zur Verfügung.
 
Gustav Blöchlinger war in Goldingen gebürtig. Am 31. Mai 1908 wurde er in Uznach geboren. Mit zwei Schwestern durfte er die Freuden einer glücklichen Familie erleben, einer Familie, die ihn zum Dienen und zu Großmut vorbereitet hatte. Ab 1923 besuchte er in Engelberg das von den Benediktinern geführte Gymnasium. Die dort verbrachten Jahre haben ihn in besonderer Weise geprägt. Das geht aus seinen Aufzeichnungen hervor. Von 1929 an widmete er sich in Fribourg dem Studium der Theologie. Eine langwierige Krankheit hinderte ihn daran, rasch in die Seelsorge einsteigen zu können. Erst im Frühjahr 1935 hat er von Bischof Aloisius Scheiwiler die Priesterweihe empfangen können. Am 22. April feierte er in Uznach seine Primiz.
      Die ersten drei Priesterjahre verbrachte Gustav Blöchlinger bei seinem geistlichen Vater, Prälat Carl Niedermann, Direktor des Johanneums, als Katechet in Neu St. Johann. Von 1938 an wirkte er über 13 Jahre lang als Pfarrhelfer in Rapperswil. Zu seinen Aufgaben gehörte die Betreuung der Kolpingfamilie, der Arbeiterinnen und der Hausangestellten. Nebenbei erteilte er an der Sekundarschule Lateinunterricht.
      1951 ließ er sich auf Wunsch des Bischofs zum Pfarrer der damals noch kleinen Diasporapfarrei Buchs wählen. Innert weniger Jahre war dann diese Pfarrei der steten Zuwanderung wegen um 600 Katholiken angewachsen. Es gab damals noch keinen Pfarreirat; Hilfe und Stütze für die Seelsorgsarbeit fand Pfarrer Blöchlinger vor allem bei den Mitgliedern des Müttervereins.
      1959, als ihm die, Aufgabe und die Pfarrei einfach zu groß geworden waren, wies ihm Bischof Josephus Hasler eine andere Aufgabe zu, eine, die wohl am besten dem Naturell Gustav Blöchlingers entsprach. Im Kloster und im Heim zum Guten Hirten in Altstätten durfte er fortan Spiritual sein. Mit ganzer Hingabe widmete er sich der seelsorglichen Führung der Schwestern und der jungen Menschen, die dort eine besondere Schulung und Hilfe nötig hatten. Zusätzliche Aufgaben kamen auf ihn zu, als es darum ging, eine Klosterkirche zu bauen. Langsam älter geworden, spürte Gustav Blöchlinger, dass ihm auch in Altstätten die Aufgabe zu groß wurde.
      Mit Freude ist er dem Ruf gefolgt, in Wil die vakante Stelle eines Primissars (Frühmessers) zu übernehmen. Im Rahmen seines Auftrages und seiner - Möglichkeiten hat er seither tatkräftig im Seelsorgeteam und damit in der weit verzweigten Pfarrei Wil wertvolle Arbeit geleistet. Vor allem durften die Kranken und Betagten seine liebevolle Fürsorge erfahren, bis er vor wenigen Wochen durch einen ersten leichten Hirnschlag in seiner geliebten Arbeit gestört wurde. Einem zweiten Hirnschlag und seinen Folgen war sein Körper nicht mehr gewachsen.
      Während seines ganzen Lebens und Wirkens hat Gustav Blöchlinger seine Berufung ernst genommen und stets überall versucht, den Willen Gottes zu erfüllen
 
(inf.)

   
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Kustos Dr. Paul Strassmann


*1925  †2005
 
 
 
Nachruf in den Meldungen der Website www.bistum-stgallen.ch
 
 

Im Herrn verschieden: Paul Strassmann
ehemaliger Domkustos und Offizial


Am vergangenen Freitag, 9. Dezember, ist im Gossauer Tertianum der ehemalige Domkapitular und Pfarrer Dr. Paul Strassmann im 80. Lebensjahr und im 55. Jahr seines Priestertums verstorben.
 
Zeitlebens war Paul Strassmann mit seiner Heimatgemeinde Mosnang tief verbunden. In Mosnang wird er am Freitag, 16. Dezember, 10 Uhr, zu seiner letzten Ruhestätte begleitet.
 
Am 15. Oktober 1925 wurde Paul Strassmann als jüngster von zwei Brüdern und zwei Schwestern geboren. Nach der Maturität am Gymnasium der Benediktiner in Disentis studierte Paul Strassmann Theologie an der Universität Fribourg. Bischof Josephus Meile weihte ihn am 25. März 1950 zum Priester. Der Neupriester setzte darauf seine Studien an der Universität Gregoriana in Rom fort und promovierte 1953 zum Doktor des Kirchenrechtes. Bald darauf nahm Paul Strassmann Einsitz im diözesanen Gericht, das er während elf Jahren als Offizial leitete. In der Seelsorge wirkte er von 1953 bis 1960 als Kustos und Pfarrhelfer in Rapperswil und ab 1964 Pfarrer in der St. Galler Stadtpfarrei St. Fiden. Von 1987 bis Ende 2002 war Paul Strassmann Domkustos an der Kathedrale in St. Gallen und Mitglied des Residentialkapitels. Als Sekretär des Domkapitels beteiligte er sich vor zehn Jahren an der Bischofswahl. Stark engagiert war Paul Strassmann in der Synode 72 nach dem zweiten Vatikanischen als Präsident der Kommission „Kirche in der Welt von heute“. In den über 50 Jahren seines Priestertums erlebte der Verstorbene große Veränderungen in der katholischen Kirche. Paul Strassmann hat diesen Wandel offen für die Zeichen der Zeit und aktiv mitgeprägt. Die Gestaltung einer Kirche von heute mit einer glaubhaften Verkündigung war ihm stets ein grosses Anliegen.
 
Die Menschen in Rapperswil und St. Gallen schätzten Paul Strassmann als Seelsorger, der mit großer Hingabe seine Pfarreien betreute. Unzählige Predigten, Vorträge und seine typischen „Worte zum Tag“ in der werktäglichen Eucharistiefeier liessen ihn bekannt werden als Erwachsenenbildner mit Charisma. Während mehr als 50 Jahren hat Paul Strassmann seine vielseitigen Fähigkeiten in den Dienst des Bistums St. Gallen gestellt. Bischof Ivo Fürer nahm am 31. Dezember 2002 die Demission von Paul Strassmann als Domkustus und Residentialkanonikus an und schrieb: „Mit Dir zusammen danke ich Gott für alle Gaben, die er durch Dich weitergereicht hat. Was für uns feststellbar ist, ist immer nur ein kleiner Teil dessen, was Gott tatsächlich durch Dich gewirkt hat.”

 

   
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Pfarrhelfer Dr. Hans Jung


*1921  †2006
 
 
 
Nachruf in den Meldungen der Website www.bistum-stgallen.ch
 

Im Herrn verschieden: Dr. Hans Jung, Wil


Aus einer unermüdlichen priesterlichen Tätigkeit
wurde Hans Jung am 2. Januar 2006 nach kurzer,
schwerer Krankheit zum Herrn gerufen.

 

Hans Jung wurde am 27. März 1921 in St. Gallen geboren, später zog die Familie nach Wil. Das Theologiestudium in Freiburg schloss Hans Jung mit einer Dissertation über die Jungmänner-Seelsorge in der deutschsprachigen Schweiz ab. Am 17. März 1945 wurde er in der Kathedrale von St. Gallen zum Priester geweiht, am 2. April gleichen Jahres feierte der Jungpriester in seiner Heimatstadt Wil die Primiz. Während einiger Jahre war er als Vikar in St. Gallen - St. Otmar tätig, dann als Pfarrhelfer in Rapperswil. Von 1960 bis 1969 wirkte Hans Jung als Pfarrer in Rheineck. Über ein Vierteljahrhundert, von 1969 bis 1996, stellte er sich als Pfarrer in den Dienst der Dreifaltigkeitspfarrei St. Gallen-Heiligkreuz.
 
1996 kehrte Hans Jung in sein Vaterhaus in Wil zurück. Bis zuletzt erfüllte er mit großer Bereitschaft priesterliche Dienste der Pfarrei Wil und in diversen Pfarreien der näheren und weiteren Umgebung. Am 17. März 2005 durfte Hans Jung sein diamantenes Priesterjubiläum feiern.
 
Tiefe Frömmigkeit und unermüdliches Schaffen für Gottes Reich kennzeichneten die Seelsorge des Priesters. Er wirkte durch das Wort; seine Predigten genauso wie Seelsorgegespräche zeugten von einer sehr persönlichen Vertiefung in die Heilige Schrift. Bis zu 21 Lektionen stand Hans Jung werktags in Schulzimmern und erteilte einen pädagogisch geschickt aufgebauten Religionsunterricht. Interessierten Sekundarschülern brachte er zusätzlich die elementaren Kenntnisse der lateinischen Sprache bei, damit der Übertritt in ein Gymnasium gelingen konnte.
 
In den sechs Jahrzehnten seines Priesterdienstes hat sich in Kirche und Welt viel verändert. Erneuerungskräfte wurden durch das zweite Vatikanum und im Anschluss durch die Synode 72 ausgelöst. Hans Jung suchte seinen Weg durch all diese Umbrüche, nicht jede Neuerung war nach seinem Geschmack. Gleichwohl war er Neuem nicht abgeneigt, sofern es ihm begründet schien.
 
Wo der Priester tätig war, entwickelte sich ein reges Pfarreileben. Innert kurzer Zeit, so steht es in einem Zeitungsartikel von 1960, brachte Hans Jung in Rapperswil die dortige Jungwacht zu neuem Blühen. Beim Abschied aus der Pfarrei Rheineck schrieb die örtliche Zeitung: „Herr Pfarrer Jung darf unsere Pfarrei mit der Gewissheit verlassen, dass sein Wirken Frucht getragen hat.” Und in St. Gallen Heiligkreuz wurde er als Zeichen der großen Dankbarkeit mit einer «standing ovation» verabschiedet. Und die Pfarreien von Wil und Umgebung verabschieden den Priester mit folgenden Worten auf seine letzte Reise: „Mit zahllosen, liebevoll gestalteten Eucharistiefeiern, Predigten und Seelsorgegesprächen bist du in unseren Pfarreien bekannt und beliebt geworden.”     (inf.)

   
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