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Todesfälle von Kleinkindern
Quelle: Zuzwiler Taufbuch (ZVA 12.1099) |
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| Für die Zeit von Januar 1705 bis Dezember 1710 sind in diesem Taufbuch 142 Täuflinge aus Zuzwil (ohne angrenzende Orte) registriert. Bei 54 ist im Nachhinein ein früher Tod protokolliert worden. Für fast alle dieser Todesfälle war das der einzige Beleg. Im eigentlichen Totenbuch sind sie nicht dokumentiert. Hier drei Einträge mit Hinweisen auf eine kurze Lebenszeit (in der 1. Spalte): ![]() Bsp.1 ![]() Bsp.2 ![]() Bsp.3 Die Titel der Spalten sind: infans | parentes | patrini | annus&dies | locus KIND | ELTERN | PATEN | JAHR&TAG | ORT Quasi ein Symbol für den frühen Tod ist das Malteserkreuz |
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Das Phänomen |
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Die Sterblichkeit von Kleinkindern ist im betrachteten Zeitraum auffällig hoch. Von den zwischen Januar 1705 und Dezember 1710 getauften Kindern wurde jedes dritte keine drei Jahre alt. Eine der Ursachen war wohl der «Jahrtausendwinter», der extrem kalte Temperaturen mit sich brachte und zu verheerenden indirekten gesundheitlichen Folgen führte. |
| Der «Große Winter 1708/09» |
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(Ausschnitte aus einem Artikel in der SZ vom 17. Mai 2010) |
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Am 1. Dezember 1708 drehte der Wind auf Ost. Er fächerte nun Luft aus Sibirien nach Europa. Die Kaltluft drang allmählich nach Süden vor. Am 3. Dezember senkte sie in Wien und Zürich die Temperaturen auf minus zehn Grad. Zwei Tage später herrschte auch in Südfrankreich Frost, massenhaft gefror der Wein in den Kellern. Nach einer kurzen Erwärmung um Weihnachten herum, kam der Frost mit noch größerer Wucht zurück. Mit 40 Kilometer pro Stunde wälzte sich erneut sibirische Kaltluft in Richtung Süden. Weder Hochgebirge noch andere Luftmassen konnten die sibirische Walze stoppen. Die Temperatur fiel mit jedem Tag weiter. In Paris herrschten minus 18 Grad. Selbst am Hofe des Sonnenkönigs Ludwig XIV. gelang es kaum, gegen die Kälte anzuheizen. Die Feuerholz-Vorräte waren schnell aufgebraucht. Von Skandinavien bis Italien, von Polen bis Portugal erfroren ganze Familien in ihren Wohnungen. Viele Menschen verloren Gliedmaßen, Ohren oder Nase. Der Frost verstümmelte auch Tiere, Hähne verloren ihren Kamm. Gegen die Kälte war kein Ankommen. Viele Betriebe standen still. Hungersnöte brachen in ganz Europa aus. Und wer noch Brot besaß, benötigte ein Beil, um die gefrorenen Klumpen zu teilen. Fast alles verwandelte sich in Eis. Der Frost sprengte Bäume, ließ den Boden metertief erstarren und die Gewässer in Europa zufrieren. Themse, Seine, Elbe, Donau oder Rhein waren mit Pferdewagen passierbar. An Bodensee und Zürichsee war «Seegfrörni». In der Bucht von Marseille und vor Ligurien fror das Mittelmeer zu. Venedigs Lagune blieb bis April eine Eisplatte, und die Kanäle erstarrten bis auf den Grund. ![]() Gabriele Bella: La laguna ghiacciata alle Fondamenta Nuove (inverno 1708/1709) Anfang April schließlich kam der Frühling - doch der brachte nicht nur Gutes. In den Flüssen wälzte sich das Schmelzwasser zu Tal. Dutzende Städte wurden überflutet. Mit den Wassermassen schossen Eisschollen durch die Siedlungen. |
| Die Liste der Täuflinge |
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(Januar 1705 bis Dezember 1710) |
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Die Liste enthält von der Eltern-Spalte nur den Familiennamen, nichts aus der Paten-Spalte und bei den Daten nur Jahr und Monat, keine Tage. Die Einträge der 54 früh verstorbenen Kinder sind in weißer Schrift auf schwarzem Grund dargestellt. Die Abkürzung kA steht für «kein Eintrag». Mit Familiennamen Wick sind dabei: drei Mädchen (Anna Maria, Anna, Maria) und drei Knaben (Johann, Johann, Johann).
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